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Karø Goldt präsentiert in ihrer Ausstellung im Medienturm einen im
wesentllichen filmischen Raum bzw. einen auf Film bezogenen Raum, der
zugleich als Rauminstallation gelesen werden kann. Die Filmprojektionen,
die "Stills" aus den Filmen in verschiedenen fotografischen Techniken und
Formaten sowie eine Filmskulptur erzeugen einen in sich durch Querbezüge
sowohl ästhetischer als auch thematischer Art verschränkten Raum, der
insgesamt als Reflexionsmedium über mögliche zeitgenössische Bildformen
verstanden werden kann.
Die Filme - "Fotofilme", wie sie Karø Goldt selbst bezeichnet, haben in
jedem Fall ihren Ausgangspunkt in fotografischen Arbeiten. Die digitalen
Aufnahmen werden nachbearbeitet, die analogen Filme werden experimentell
entwickelt, gescannt und ebenfalls digital weiterbearbeitet. Die einzelnen
Bilder werden schließlich zu Filmen montiert, 25 Bilder pro Sekunde. Aus
diesem Grund gibt es von diesen Filmen keine Film-Stills im eigentlichen
Sinn - als Standbild aus filmischen Sequenzen, als Momentaufnahme einer
zeitlichen, räumlichen oder narrativen Struktur - ganz im Gegenteil: der in
diesem Sinn fiktionale, weil nicht-filmische Film entsteht erst aus diesen
Einzelbildern, die in jedem Fall vor dem Film bereits da waren, die, bevor
sie Film wurden, sozusagen schon als Medium existierten und einen eigenen
Repräsentationsmodus und Lesevorgang bereits (potentiell) vorgaben.
Es handelt sich bei diesem sehr spezifischen Produktionsmodus um eine in
gewissem Sinn radikale Übersetzung eines Mediums ins andere - und dies
nicht nur, was die ästhetische Oberfläche anbelangt, sondern vor allem im
Hinblick auf die Organisation von Raum und Zeit. Noch vor ihren
fotografischen Arbeiten hat Karø Goldt gemalt; Malerei war ihr jedoch nicht
objektive genug. Doch auch das scheinbar voraussetzungslos aufzeichnende
und somit objektive Medium der Fotografie bot ihr nicht die Möglichkeit, zu
jenem Punkt der Abstraktion und Reduktion vorzudringen, der in ihren
Fotofilmen schliesslich beständig umschrieben und umkreist wird: eine
Bildproduktion am Rande der Sichtbarkeit, am Rande der Wahrnehmbarkeit und
am Rande der Bedeutungserzeugung.
Die medialen Transformationen, die die "Filmbilder" sozusagen hinter sich
haben, haben allerdings nicht zur Auslöschung der residualen Komponenten
von malerischen und fotografischen Strukturen bzw. strukturellen Merkmalen
geführt. Die Farbfeldmalerei, die die Künstlerin als eine Referenz für ihre
Arbeit angibt, setzt sich bis hinein in die Organisation der filmischen
Oberfläche fort, die fotografischen "Rückstände" erscheinen als
schemenhafte und bis an die Grenze der Auslöschung getriebenen Motive (die
"F 16 Falcon", die "MIG", aber auch die Landschaften oder die Blumen) - die
Gegenständlichkeit arbeitet sich gewissermaßen immer wieder unter großen
Anstrengungen durch die Farbschichten und Farbmodulationen (wenn auch nur
für kurze Zeit) in den Vordergrund. Die Filmbilder erscheinen dadurch
geradezu greifbar aus einer Reihe von Schichten zu bestehen, eine
Schichtung und Verdichtung aufzuweisen, die das Diktum der Postmoderne zu
bestätigen scheint, dass hinter jedem Bild nur wieder ein anderes Bild auf
uns wartet und die Wahrnehmung der Wirklichkeit durch diese mediale
Versiegelung ein Akt unentwegter Decodierung von Bildflächen zu werden
droht (oder längst ist). Doch findet diese Referenzierung, diese
Verweisdichte des Bildes nicht im Hinbick auf andere Bilder statt, sondern
diese findet in der Arbeit Karø Goldts als Bild-im-Bild-im Bild-Verweis
statt: die malerischen Bildideen, die fotografischen Vorlagen, sie sind
immer schon im Bild selbst in ein Verhältnis gesetzt und zu einer hybriden
und zweideutigen, nicht zuletzt aber widerständigen Bildform verwoben.
Der Begriff der Zweideutigkeit bezieht sich auf den zugleich analogen wie
digitalen "Hintergrund" der Bilder, ein Umstand, der sie zwischen
Wirklichkeit und Hypothese oszilieren läßt, und ganz grundsätzlich auf den
schwankenden, unsicheren Status des zeitgenössischen Bildes verweisen. Und
der Begriff des Widerstandes deutet auf ein ein Sich-Verschließen vor
direkten Analogien, Referenzen oder Kontexten. Diese Zweideutigkeit und
Widerständigkeit scheinen die Bildwelten Karø Goldts in einen vor allem
ästhetischen Diskurs zu verstricken: Farbe/Form und ihre subtilen
Modulationen, die suggestive Operation mit chromatischen Farbwerten, der
granulare Aufbau der Sequenzen. Doch wichtiger bleibt der dabei immer
wieder zur Debatte gestellte, befragte, hypothetisch inszenierte - oder wie
auch immer man es bezeichnen mag --- Bildbegriff selbst: welcher Art sind
diese Bilder? Was wollen diese Bilder? Inwiefern sind sie einem Begriff des
Bildes anzulagern, der dieses nicht als rein visuelle Gebilde, sondern als
kulturellen Text, d. h. in eine kulturelle Intertextualität verstrickte
Repräsentationsform zu verstehen sucht? Wenn man davon ausgeht, dass
" künstlerische Praxis nicht durch ein bestimmtes Medium (...) [definiert
wird], sondern durch die logischen Operationen mit einer Reihe kultureller
Begriffe, für die jedes Medium (...) verwendet werden kann" (Rosalind
Krauss), dann bestehen diese Operationen gerade im Bereich der medialen
Übersetzung verschiedener Bildformen. Dabei wird das malerische Bild seines
gestischen Gehalts enthoben, das fotografische Bild wird von einer Praxis
des Sehens und der Wahrnehmung, der Beschreibung und Aneignung von
Wirklichkeit in eine Praxis der Konstruktion von Wahrnehmungsräumen
überführt, und der Film wird zur Plattform der Inszenierung dieser
Transformationen, um die Momente der Zeitlichkeit, der Akustik, aber auch
ein spezifische Dispositiv der Präsentation der gewonnenen Bildwelt
hinzuzufügen. Karø Goldt hat mit diesem (de-) konstruktiven Verfahren
sozusagen die einzelnen Bilddispositive zerlegt und jeweils Teile davon in
eine neue Ordnung gebracht.. Damit bleiben natürlich auch ihre Bilder und
Filme dem Horizont der Intertextualität des Bildes eingeschrieben - doch
positioniert sie diese gewissermaßen an den Rändern und Ausfransungen
dieses Horizonts.
Diese "Randlage" bestätigt allerdings die
Eigenständigkeit ihres - als ständigen Prozess gedachten - Bildbegriffs,
der niemals abgeschlossen zu sein scheint, sondern von dem sie immer wieder
Stationen einer Entwicklung präsentiert - nicht aus Mangel an Genauigkeit,
ganz im Gegenteil, sondern weil die KünstlerIn sozusagen von jeder
fertiggestellten Bildform erneut zum Ausgangspunkt zurückkehrt, um den
Prozess der Bildkonstruktion und Bildfindung erneut in Angriff zu nehmen.
Diese ständige Neuorganisation und Neuformierung ist ein wesentlicher Teil
des Bilduniversums, das Karø Goldt im Medienturm in Graz präsentiert: ein
Reflexionsraum über mögliche Formen gegenwärtiger Bilder.
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