| back | home | exhib | object | video | photo II | photo I | divers | text | NEW ! | next |
| Die Unabgeschlossenheit der Bilder |
| Reinhard Braun |
| SLANT hat - wie alle anderen "fotofilme" von K. Goldt - seinen Ausgangspunkt in fotografischen Arbeiten. Die digitalen Aufnahmen werden nachbearbeitet, die analogen Filme werden experimentell entwickelt, gescannt und ebenfalls digital weiterbearbeitet. Aus diesen einzelnen Wirklichkeitsfragmenten werden schliesslich die Filme montiert, 25 Bilder die Sekunde. Dieser spezifische Produktionsmodus, der als eine Art mediale Abstraktion, eine aus medienspezifischen Verfahren analytisch gewonnene Abstraktion beschrieben werden kann, überführt das Bild als eine Organisationsform der Fläche in eine filmische Organisation von Raum und Zeit. Aus dieser Transformationsarbeit an Sichtbarkeiten, die diese Sichtbarkeiten immer mehr filtert, reduziert, überarbeitet und verflüssigt, entsteht letztlich eine Bildproduktion, eine Filmproduktion am Rande der Sichtbarkeit selbst, in jedem Fall am Rande der Bedeutungserzeugung. |
| Erschienen die fotografischen "Rückstände" teilweise noch als schemenhafte und bis an die Grenze der Auslöschung getriebene Motive, so hat SLANT die Gegenständlichkeit in eine zeitlupenartige Morphologie von - zum Teil geradezu plastischen - vibrierenden, lyrischen Farbmodulationen verflüchtigt, die allerdings einer präziesen Dramartugie unterworfen sind. Weder geometrisch noch expressiv, weder räumlich noch als reine Fläche zeigt sich in SLANT der Bild-"Raum" als paradoxe Konstruktion zwischen totaler Abstraktion und immer wieder kurzzeitig geschürten Gegenstandsassoziationen. Doch sind letztere nicht ein flüchtiges Phantom der Einbildung der BetrachterInnen? Sind sie nicht gerade die falsche Fährte, die die Bilder legen? Wenden sie sich nicht gerade gegen diese Form der bildhaften Gegenständlichkeit, die ein Bild immer nur als Transitraum der Wahrnehmung einer - zunehmend umstrittenen - Wirklichkeit steht? |
| Doch welcher Art sind diese Bilder? Was wollen diese Bilder? Gibt es einen Ort für und in diesen Bildern? Die Neuorganisation von Bildlichkeit, die Goldt nachhaltig in ihren Fotofilmen verfolgt, erzeugt ein ambivalentes, heterogenes filmisches Dispositiv, ein Dispositiv der Überlagerung, der gezielten Verschränkung struktureller Aspekte verschiedenartiger und geradezu gegensätzlicher Bildformen (Fotografie - Film). Doch damit setzen sie an dieser Grenze ein Bild in Szene, das selbst Gegenstand wird, das eine geradezu körperliche Dichte anzunehmen imstande ist. Der Film wird bei Goldt sozusagen buchstäblich montiert, eine Montage der Bilder. Die Frage lautet also nicht, was wollen diese Bilder, sondern: Welcher Art sind diese Filme? Es sind Filme an der Grenze zwischen Gegenstand, Objekt und Abstraktion, Zeitlichkeit. Sie inszenieren einen Bildbegriff, der nicht nur niemals abgeschlossen zu sein scheint, der den Prozess der Bildkonstruktion und Bildfindung ständig in Angriff nimmt, sondern der das Bild gerade als eine Form der unabgeschlossenen Beschreibung, Bezeichnung und Selbstreflexivität definiert. Diese ständige Befragung dieses Bildes selbst, seine Neuorganisation und Neuformierung scheint ein wesentlicher Teil des Bilduniversums zu sein, das Goldt mit SLANT erneut erweitert hat. |